“KI Bücher” oder Demokratisierung von allem überall auf einmal
Ich habe über die Jahre einige Bücher über künstliche Intelligenz gelesen. Aber so ein Buch in 2022 oder 2023 von PionierInnen wie Kai-Fu Lee (’’KI 2041”) oder Prof. Dr. Miriam Meckel und Dr. Léa Steinacker (“Alles überall auf einmal”) in die Hand zu nehmen, war damals etwas anderes als eines heute, in Sommer 2026, aufzuschlagen. Vor allem, weil KI mittlerweile Bücher über sich selbst schreiben kann.
Aber ein Werk möchte ich ans Herz legen: “Das geht nicht mehr weg. KI in der Welt von morgen” von Andreas O. Loff. Dafür gibt es zahlreiche Gründe.
Drei Gründe, warum dieses Buch aus dem Rahmen fällt:
- Dieses Sachbuch versucht nicht wie ein trockenes Sachbuch zu wirken. Das Cover ziert ein abstraktes Bild von Jonathan Meese. Das suggeriert sofort: hier steckt auch eine spannende amüsante Geschichte drin.
- Es ist tatsächlich eine packende Geschichte, weil es in Teilen auch eine Autobiografie von Andreas O. Loff ist, einem Menschen, der auch ohne ein fachrelevantes Studium eine außergewöhnliche Karriere gemacht hat und mittlerweile als Sparringpartner in einem der philosophischsten Podcasts Deutschlands auftritt: bei “Lanz und Precht”. Andreas taugt hier als starkes Role Model für alle, die gerade nach Orientierung suchen.
- Es ist kein Lehrbuch, sondern eine Art Therapiesitzung, die all jenen ihre Ängste nimmt, die eine vage Vorstellung von DER Ka-Iiiiii haben. Wobei ich gestehen muss: das fiktive Zukunftsbild mit Philipp Amtor als Bundeskanzler und Sascha Lobo als KI Minister hat auch meinen Puls in bedrohliche Höhen gejagt.
Ein paar Key Takeaways, die in diesem Rahmen das Buch liefert, und eher weniger KI-Vertraute Mitmenschen mitnehmen könnten:
- Es gibt nicht “die” eine KI: wir sprechen über diverse Tools, die verschiedene hochspezifische Aufgaben übernehmen.
- Auf den Schultern von Giganten: KI ist nicht über die Nacht entstanden. Sie ist das Ergebnis einer Evolution. Wenn ihr historische Zusammenhänge verstehen und amüsante Anekdoten lesen möchtet, empfehle ich das fantastische Buch “The Innovators” von Walter Isaacson. Aber auch Loff bietet einen historischen Deep Dive an.
- KI ist nicht per se böse oder bedrohlich: Wie jede Technologie kann sie für gute und schlechte Zwecke eingesetzt werden.
- KI-Werkzeuge ersetzen keine Kernkompetenzen: sie sind kein Ersatz für menschlichen Verstand. Ohne konzeptionelles Grundverständnis oder kreative Skills bringt deren Nutzung wenig.
- Explainable AI soll zum Standard werden: Modelle sollen so gebaut und trainiert werden, dass wir ihre Entscheidungen nachvollziehen können und weniger Ängste haben.
Die Methode wie eine Traumata-Heilung der Gesellschaft
Die methodische Vorgehensweise des Autors erinnert mich fast an eine wissenschaftliche Angsttherapie: Loff benennt unsere Urängste vor KI, z.B. Verlust der Privatsphäre, Desinformation, Manipulation etc. Er zeigt auf, dass diese Ängste tief in uns verwurzelt und Weltuntergangsszenarien nähren, so wie wir sie aus Mythen und Religionen seit Jahrtausenden kennen.
Statt Ängste weiterhin zu befeuern, sollen wir versuchen, sie unter Kontrolle zu bekommen: ohne Verbote, durch eine regulierte Ausgestaltung, z.B. in Form einer europäische Roadmap.
Ein gemeinsamer europäischer Auftritt ist ausschlaggebend, um aktuellen Entwicklungen entgegen zu wirken und Europa aus der Sackgasse zwischen den USA und China herauszulotsen. Während in den USA seit über 70 Jahren eine erfolgreiche Venture-Capital-Kultur Innovationen treibt (wie Ilya Strebulaev in seinem Buch “Das Venture Mindset” analysiert), basiert der chinesische Siegeszug auf dem zentralisierten Staatssystem, das extreme Mittel ohne lange Abstimmungen investieren kann.
Die wichtigsten Schritte, die befolgt werden müssen, um das KI-Spiel mitspielen zu können, sind:
Investieren, Regulieren, Vernetzen, Talente fördern, Menschen befähigen.
Im Buch konzentriert sich Andreas O. Loff allerdings stark auf den Punkt der Überregulierung und bietet wenige Ideen zu weiteren Maßnahmen.
Diese Lücke schließt ein neues Experten-Paper “Europe 2031. Was auf dem Spiel steht, wenn wir die KI-Revolution verschlafen”. Es geht auf ähnliche Themen wie Loff ein und präzisiert die Stellen, die im Buch zu kurz kamen.
Fazit
Europäischer Auftritt, Innovationsförderung, Bildungsmaßnahmen: das alles ist sehr wichtig, um im KI-Spiel am Ball zu bleiben. Aber vielleicht wäre das wichtigste im Moment, eine positive Vision für das KI-Zeitalter zu schaffen. Und das steht im Fokus des Buchs von Andreas O. Loff und ist der Grund, warum ich es für einen gelungen Einstieg für Menschen mit unterschiedlichem Wissensstand, um die Welt von morgen zu verstehen und zu gestalten. Mit einer Technologie, die als eine der demokratischsten und zugänglichsten gilt, die wir bis jetzt als Menschheit hatten.


