Buchrezension

  • A different kind of power Buch Jacinda Ardern
    Buchrezension,  Frauenliteratur,  Heldenreise,  Personal Growth,  Perspektiven

    A different kind of power: Über die Kunst sich neue Ziele zu setzen

    Ich lese viele Biografien. Und das tue ich mittlerweile mit Schmunzeln. Diese Bücher werden oft geschrieben, um Entscheidungen zu erklären, Reue zu zeigen, sich zu rechtfertigen und zu entschuldigen. Gerade Politiker müssen häufig die Geschichte “glattziehen”. Meistens geht es auch nicht anders: viele müssen schwierige Entscheidungen mit vielen Unbekannten und vielen Interessenten treffen. Ob Barack Obama oder Wolfgang Schäuble: sie mussten durchhalten, oft auf Kosten ihrer Familien und der eigenen Menschlichkeit, weil sie das Leben außerhalb des Systems nicht kannten. Diese Bücher liefern viele Anekdoten und Hintergrundinformationen. Nein, ich erfuhr aus den Biografien von Obama und Schäuble keine Geheimnisse. Aber ich konnte den Becoming-Prozess (wie ihn Michelle Obama in ihrem…

  • Die große Arbeiterlosigkeit von Dettmers, Buchcover
    Bildung,  Buchrezension,  Innovation,  Perspektiven

    Ohne Menschen keine Innovation: Wir müssen zu Headhunters werden

    Warum Regionen ohne Menschen stagnieren Vor kurzem verbrachte ich eine Woche im Wendland, einer ruhigen und idyllischen Gegend, bekannt durch ihre Heidefelder, Künstlerkolonien und abwesende Autobahnen. Doch etwas, das auf den ersten Blick idyllisch wirkt, ist auf den zweiten Blick LEER. Leere Straßen, geschlossene Läden, verlassene Häuser, kaputte Zäune und verwachsene Gärten. Keine Aufbruchsstimmung, kaum Bewegung, fast das Gefühl einer langsamen Verwesung. Mittendrin entdeckten wir den Michaelshof: ein landwirtschaftlicher Betrieb mit einem eigenen Hofladen, einem großen Café und einer wunderschönen, gepflegten Parkanlage, in der an einem Nachmittag so viele junge Menschen wuselten, wie wir sie in den Tagen davor nicht gesehen haben. Und der Hof blüht im wahrsten Sinne des…

  • Buchcover Mama bitte lern Deutsch von Drugun
    Bildung,  Buchrezension

    Bildung ist kein Privileg, sondern eine Selbstverständlichkeit

    Eigentlich wollte ich dieses Buch nicht lesen. Der Titel des Buches “Mama, bitte lerne Deutsch” von Tahsim Drugun ließ mich eine jammernde Geschichte erwarten, von einem Sohn, der seinen migrantischen Eltern alle Probleme der Welt anlastet: “Hätten sie Deutsch gelernt, wäre das Leben besser, das Auto teurer und Urlaube ferner.” Dann landete ich in einem Online-Buchclub, wo es genau um dieses Buch ging, und lauschte, wie Frauen wie Tahsims Mutter besser integriert werden können. Irgendwann schrieb jemand im Chat: “Warum lernt sie kein Deutsch?” Warum sollte sie? Es gibt tausend plausible Gründe, eine Sprache NICHT zu lernen: Und das war der Moment, an dem ich erfahren wollte, was hinter der…

  • Cover von Wenn die letzte Frau den Raum verlässt
    Buchrezension,  Frauenliteratur,  Männerliteratur,  Perspektiven

    Nur gute Ideen reichen nicht oder warum wir Männer oft nicht erreichen, wenn wir über Gleichberechtigung reden

    Vor Jahren wollte ich das Schlafzimmer in einem dezenten Lavendelblau streichen. Doch damals wusste ich nicht, dass Wändestreichen tückischer sein kann, als man denkt. So wurde das Schlafzimmer pink, fast genau wie die Farbe auf dem Cover des Buches “Wenn die letzte Frau den Raum verlässt” von Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer. Unser Nachfolger wollte das Schlafzimmer dann schwarz anstreichen. Wahrscheinlich hatte er Angst, vor seinen Freunden mit diesem Farbton als “nicht männlich” dazustehen. Ein “Exterieur” eines Produkts in rosa Tönen ist nicht “jeder Manns” Sache. Tappt der Verlag hier in dieselbe Falle wie viele Start-ups, die ihr Produkt eher für sich selbst gestalten, statt für die Zielgruppe? Okay, mich…

  • buch cover from project to product mode hartmann borggrewe
    Buchrezension,  Innovation,  Produktentwicklung

    From project to product mode: ein Praxisbuch für die echte Transformation

    Das sind IT- und Produktabteilungen in Unternehmen, die für die Generierung neuer Ideen, das Ausprobieren neuer Technologien, die Einführung neuer Arbeitsprozesse und allgemein für Innovation stehen. Das Problem ist nur, dass dies auch bei diesen Abteilungen bleibt. Während IT-Systeme iterativ in die Cloud ziehen und Produktteams Design Sprints durchführen, verkaufen Vertriebsteams hochindividuelle Systeme statt Standards, und das Controlling taucht regelmäßig mit der Keule auf, weil die Story Points in die Personentage umgerechnet nicht mit der Anzahl ursprünglich geplanter Wochen übereinstimmen. Das Unternehmen als … Ei Diese Kluft zwischen IT/ Produkt und dem „Rest“ beschreiben Sebastian und Thomas in ihrem Buch „From Project to Product Mode. A Gameplan to Unlock Scalability…

  • Buchcover "The innovators", Fotos diverser Personen aus dem Buch
    Buchrezension,  Innovation,  Produktentwicklung

    Von Ada Lovelace bis Steve Jobs: Warum echte Innovation immer Teamarbeit erfordert – Lektionen aus Isaacsons Werk

    Unser digitales Zeitalter mag uns revolutionär erscheinen, aber es basiert auf Ideen, die uns Generationen davor überliefert haben. Die besten Innovatoren waren diejenigen, die den Verlauf des technologischen Wandels und die Ideen ihrer Vorgänger verstanden haben. Von diesem Menschen können wir lernen, dass wir unsere Zukunft gestalten können, indem wir Zusammenarbeit, offenes Denken und den Mut zum Risiko in unserem Leben verankern. Walter Isaacsons „Die Innovatoren“ ist mehr als eine Chronik der digitalen Revolution. Es ist eine Hommage an die menschliche Kreativität und den unerschütterlichen Glauben daran, dass wir gemeinsam Großes erreichen können.

  • Buchrezension,  Perspektiven,  Romane

    Lesen ohne Kontext: Über die Enttäuschung und den Gewinn von Intermezzo

    Mein Germanistikstudium ging mit unzähligen Semestern der westeuropäischen Literatur einher. Irgendwann mussten wir an “Germinal” von Émile Zola ran. Und da ich Germanistik studierte und offensichtlich in Geschichte nicht gut genug aufgepasst hatte, ackerte ich mich durch die 400 Seiten mit der Frage “Wann kommt Germinal?” Ich war nicht die einzige, die enttäuscht war, dass der Germinal doch nicht gekommen ist. Irgendwann klärten die Romanistik-Studierenden unsere Verwirrung auf: als Germinal bezeichnete man in Frankreich nach der großen Revolution den Monat März. In diesem Monat ereigneten sich die Geschehnisse im Roman von Zola. In meinem Leben war das das beste Beispiel über die Sinnlosigkeit des Lesens, wenn man sich mit dem…

  • Buchrezension,  Personal Growth,  Perspektiven

    Moralische Ambition: “Hören Sie auf, Ihr Talent zu vergeuden!”

    Wir wollten nur kurz die Welt retten. Damals. In meiner Studienzeit wurde ich von jungen Menschen umgeben, die an einer Vielzahl gemeinnütziger Programme teilnahmen: Englisch in Lateinamerika unterrichten, Moore in Österreich befeuchten, Plastik aus den Meeren fischen. Sie rissen sich aus ihrem “normalen” Leben, wurden mit dem Alltag von Milliarden anderer Menschen auf dieser Welt konfrontiert und entwickelten ihre moralischen Ambitionen, wie man diese Welt verbessern und das Leid verringern kann. Heute bin ich von Erwachsenen umgeben, die ihre Erwerbstätigkeit reduzieren, zusätzliche Urlaubstage verhandeln und am liebsten aus dem informationsüberlasteten Alltag auf die einsamen Hütten in Südschweden oder geschlossene Hotelanlagen in Spanien “escapen”. Sie reißen sich aus ihrem “normalen” Leben,…

  • Buchrezension,  Innovation,  Produktentwicklung

    LOVED – Was Produktmarketing und Beziehungen gemeinsam haben

    Das Aufbauen einer guten Beziehung ist ein Prozess der permanenten Weiterentwicklung. Es könnte mit einem aufregenden Date am Valentinstag beginnen und in der darauffolgenden Woche weitergehen. Oder sie könnte im Gegenteil aufblühen und gedeihen. In einer Beziehung reicht es nicht zu hoffen, dass man im Grunde gut genug für den anderen ist: Wir sollten ständig im Kontakt bleiben, uns anpassen und verändern und vielleicht auch manchmal übertreiben. Das trifft ebenso auf die Vermarktung eines digitalen Produkts zu: In Zeiten des Informationsüberdrusses sollten wir nicht darauf hoffen, dass ein Produkt allein für seinen Erfolg sorgt. Es braucht Unterstützung. Und das ist ebenfalls ein Prozess des permanenten Wandels. Martina Lauchengco widmete ihr…