Buchrezension

  • Buchrezension,  Innovation,  Produktentwicklung

    Banal, redundant, aber überflüssig?

    „Banal, redundant und überflüssig“ giftete der Literaturkritiker Denis Schenk ausgerechnet über dieses Buch auf der Spiegel-Sachbücher-Bestsellerliste: „Can’t Hurt Me“ von David Goggins. Das Buch hat mich jedoch bis heute motiviert, auch bei schlechtem Wetter zum Laufen vor die Tür zu gehen. Ein ähnlicher Gedanke schoss mir durch den Kopf beim Titel „The Scrum Anti-Patterns Guide“: die Probleme, die Stefan Wolpers auf knapp 370 Seiten beschreibt, waren mir nicht neu. Aber sie tauchten immer wieder in jedem Team, mit welchem ich arbeiten durfte, in einer abgewandelter Form auf. Mal wieder über Scrum Scrum als Framework für die Softwareentwicklung lässt sich relativ schnell erlernen und in einem Unternehmen einführen. Allerdings reicht die…

  • Buchrezension,  Frauenliteratur

    Das Liebespaar des Jahrhunderts, das wir verdient haben

    Der Titel “Das Liebespaar des Jahrhunderts” klang vielversprechend. Noch dazu war es eine Empfehlung von Benedict Wells aus seinem Buch “Die Geschichten in uns”. Ich erwartete eine leidenschaftliche, aufopfernde Liebesgeschichte ähnlich wie bei Romeo und Julia, Tristan und Isolde, Natasha Rostova und Andrej Bolkonsky, Mr. Darcy und Elizabeth Bennet, Scarlett O’Hara und Rhett Buttler. Tatsächlich musste ich zu Beginn sehr lange nachdenken, ob es sich vielleicht um eine Geschichte im Stil der “New York Trilogie” von Paul Auster handelt: jederzeit könnte ein Teufelchen aus den Zeilen springen und die ganze Welt von Schochs Liebenden auf den Kopf stellen. Aber nein, Julia Schoch meint es wirklich ernst: sie beschreibt eine Beziehung…

  • Buchrezension,  Frauenliteratur,  Heldenreise,  Perspektiven

    “Becoming” nach Elke Heidenreich oder “Hier geht’s lang!”

    Wenn Elke Heidenreich ein Buch veröffentlicht, dann ist es immer zumindest lesenswert. Wenn Elke Heidenreich außerdem Geschichten aus ihrem Leben erzählt, dann ist es immer faszinierend. Schon bei “Ihr glücklichen Augen” fragte ich mich, wie ein Mensch das alles in einem Leben erleben kann. In “Hier geht’s lang!” nimmt Frau Heidenreich uns mit auf ihre ganz persönliche literarische Reise durch die einzelnen Stationen ihres Lebens und die Bücher, die sie dabei begleiteten. Es ist nicht nur eine Reise, es ist auch die Geschichte ihres Werdegangs als Leserin, als Schriftstellerin, als Botschafterin des Wortes, als kreative Persönlichkeit. Das gesamte Buch ist voller von Zitaten über den Sinn und die Schönheit des…

  • Buchrezension,  Frauenliteratur,  Perspektiven

    Über die Horrorgeschichten, das Schweigen und die Stimmen von Frauen

    Als Teenager las ich sehr gern Horrorgeschichten, vorzugsweise die von Stephen King. Ich verschlang alles, was die Stadtbücherei hergab: “Friedhof der Kuscheltiere”, “Carrie”, “Christine”, “In einer kleinen Stadt” und natürlich “Es”. Meistens fehlten mir die kulturellen Hintergründe, um die Probleme nachzuvollziehen, die King thematisierte. Das minderte aber den Gruselfaktor seiner Geschichten nicht. Nach King machte ich noch eine kurze Bekanntschaft mit dem Meister des Gruselgenres Edgar Allan Poe und hatte nicht mehr vor, dieses Lesekapitel für mich wieder aufzumachen. Bis auf den grauen Herbsttag , an dem ich das Buch “Unsichtbare Frauen” von Caroline Criado-Perez aufschlug… Aufgrund des Titelzusatzes “Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert”…

  • Buchrezension,  Heldenreise,  Kreativität

    Über das Schreiben und “Die Geschichten in uns” von Benedict Wells

    Es sind selten Romane, die meine Liste streifen. Und in den letzten Jahren sind es noch seltener Romane männlicher Autoren. Daher kenne ich keine der Geschichten von Benedict Wells. Da mich der kreative Prozess beim Entstehen von Geschichten fasziniert, griff ich dennoch nach seinem neuesten Buch über das Schreiben: „Die Geschichten in uns“. Das Buch erinnert stark an “Das Leben und das Schreiben” von Stephen King. Es ist fast eine “Abkupferung”: den ersten Teil widmete Wells seiner eigenen Vita, im zweiten Teil stellte er seinen schriftstellerischen Werkzeugkasten vor. Selbst die Passage über die Dauer des Schreibens dieses Buches und die Schwierigkeiten, die er dabei hatte, schien mir fast wie eine…

  • Buchrezension,  Leseinspiration,  Personal Growth,  Perspektiven,  Psychologie

    Über die Gewalt der Sprache: wenn es nur ein Buch in diesem Jahr sein darf

    Ich halte nichts von Sport, den ich nicht selbst machen kann. In meiner Rolle als Mutter bin ich aber gern dabei: sowohl am Spielfeldrand als auch im Stadion. So wie beim HSV-Heimspiel der Saison 23/24. Unsere Jungs waren Feuer und Flamme: Sie himmelten die Fußballspieler an, schmissen ihre Schals in die Luft beim Tor und sangen die Hymne des Vereins mit. Ihres Vereins! Es war eine herrlich ansteckende Partystimmung, bis dieses Plakat aufkam: irgendwas mit “Müttern” und einer Obszönität. Gerichtet offensichtlich an die Fans der gegnerischen Mannschaft, aber eigentlich gegen ALLE Mütter, die in diesem Moment im Stadion waren und ihren Kindern etwas von dieser Stimmung kosten lassen und von…

  • Buchrezension,  Innovation

    Künstliche Intelligenz als Chance für den Care-Sektor?

    Spätestens seit dem Ende November 2022 und dem medienwirksamen Launch der ChatGPT-Anwendung wurde für die Meisten die Vorstellung von künstlicher Intelligenz (KI) zu etwas Greifbarem. Allerdings wurden wir bereits seit Jahrzehnten durch Literatur und die Filmindustrie darauf getrimmt, dass KI ausschließlich Gefahren mit sich bringt. Besonders gefährlich sollte das Stadium mit dem wunderschönen Namen “Singularität” sein, bei dem die künstliche Intelligenz die menschliche bei weitem übertreffen wird. Aber bis die Singularität eintritt, müssen wir uns darauf einstellen, dass KI und die Automatisierung uns die Jobs wegnehmen. Somit wird uns angeblich der Sinn und die Grundlage unserer gesamten Existenz entzogen. Das prophezeiten die Unterzeichner der großen Petition, die die Entwicklungen der…

  • Buchrezension,  Heldenreise,  Männerliteratur,  Romane

    25 letzte Sommer oder wir brauchen einen neuen Holden Caulfield

    Diese kurze Erzählung mit dem poetischen Titel “25 letzte Sommer” von Stephan Schäfer schneidet einige gesellschaftlich wichtige Themen an. Ein besonders rührendes war für mich das Schließen von Freundschaften im erwachsenen Alter. Es ist eine klassische Heldenreise-Geschichte: ein müder und zermarterter Protagonist trifft auf einen alten Weisen, geht zu ihm in die Lehre, erfährt eine Offenbarung und kehrt erneuert zu seinen Penaten zurück. Wenn es in dieser Geschichte eine neue Auflage von Holden Caulfield in seiner Gen Z-Version gäbe, der sich mit Verwunderung durch die Straßen irrt und sich über unseren Umgang mit Smartphones (statt über die Schwulen) auskotzt, wäre die ganze Erzählung originell. Wir brauchen einen neuen Helden, der…

  • Buchrezension,  Frauenliteratur,  Heldenreise,  Leseinspiration,  Romane

    Paradise Garden, ein HeldInnenepos

    Es gibt nicht so viele Geschichten, in welchen ein junges Mädchen ihre HeldInnenreise antritt und nach vielen Ereignissen viel weiser in einer neuen Lebensphase ankommt. “Paradise Garden” von Elena Fischer ist eine von ihnen. Die 14-jährige Billie wohnt mit ihrer ungarischen Mutter in einer Hochhaussiedlung am Rande einer Großstadt. Anfangs ist der einzige Traum von Billie, in einen “richtigen” Urlaub zu fahren. Die Mutter von Billie, Marika, hat dagegen viele Träume: aus ihrem ungarischen Dorf auszubrechen, Balletttänzerin zu werden, nach Florida zu reisen, einfach frei zu sein. Was diese Freiheit für sie bedeutet, wird klar, sobald ihre Mutter die Geschichte betrifft und die Idylle der kleinen Familie und auch die…